Ist GC besser als jeder Reiseführer?

Wenn wir verreisen, suchen wir unsere Ziele nicht nach den dort vorhandenen Geocaches aus. An einem Land oder an einer Region interessieren uns in erster Linie die landschaftlichen Gegebenheiten, außerdem spielen Faktoren wie die Kultur und die Geschichte eine Rolle. Erst wenn ein Reiseziel feststeht, sehe ich mich nach potenziell interessanten Caches um. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass Geocaching durchaus ein guter Reiseführer sein kann. Earthcaches führen an spannende geologische Locations und die Sehenswürdigkeiten sind in der Regel ohnehin bedost. Die oft gehörte und zitierte Aussage „ohne Geocaching wäre ich hier nie hingekommen“ gilt eben nicht nur für die heimatliche, sondern auch für fremde Regionen. Mit etwas Glück lassen sich durch gewisse, auf individuelle Interessen abgesteckte Auswahlkriterien sehr attraktive Touren finden, die abseits der großen Touristenströme liegen. Eine der schönsten Touren, die ich auf diese Weise vor gut einem Jahr entdeckt habe, möchte ich im Folgenden einmal vorstellen.

Die Tour befindet sich im südlichen Fjordnorwegen in der Region Rogaland Nahe der Stadt Etne. Auf der Suche nach Caches im T-Bereich zwischen 3,0 und 4,5 fielen mir einige Tradis auf, die auf einer Wegstrecke entlang eines großen Bergsees, dem Lykilsvatnet, gelistet waren. Schnell wurde auf einer Wanderkarte ein machbar scheinender Rundkurs abgesteckt und fertig war eine etwa 11 km lange Bergwanderung. Wir nahmen diese Tour im Juli 2016 mit zwei Familien in Angriff und wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil, die Wanderung entpuppte sich als echtes Highlight.

Die Tour startet in der Nähe des Stausees Harlandsvatnet (N59 39.685 E006 05.540). Das erste Teilstück der Strecke hinauf auf eine Hochebene westlich des Lykilsvatnet ist das anstrengenste aber auch das reizvollste. Über Stock und Stein, über Bäche und schmale Pfade sowie über Felswände, die teilweise so steil sind, dass man nur über Stiegen hinauf kommt, landet man nach ca. 2 Stunden (wenn man die Caches nicht sucht ist man entsprechend schneller unterwegs) und mehr als 400 Höhenmetern an der auf 640 üNN liegenden Lokjelsvatnbrakka. Die Lokjelsvatnbrakka ist eine urgemütliche, voll ausgestattete Selbstbedienungshütte. Es gibt einen Kamin, Proviant und einige Schlafplätze, so dass Wanderer dort nicht nur pausieren, sondern bei Bedarf auch übernachten können. Die Kosten werden auf Vertrauensbasis abgerechnet.

Von der Hütte aus führt die Strecke am Westufer des Lykilsvatnet in südliche Richtung. Die karge Umgebung auf der Hochebene gleicht besonders bei Nebel fast einer Mondlandschaft. Bei freier Sicht eröffnen sich jedoch wunderschöne Blicke auf den See und ins Tal. Auf dem Weg zu einem weiteren  See, dem Grindeimsvatnet passiert man den Terningen, einen fast würfelförmigen Fels, der auf einer abgeflachten Ecke liegend ein schönes Fotomotiv liefert. Am Grindeimsvatnet befindet sich der Wendepunkt der Tour. Über gut ausgebaute Wanderwege und Bergstraßen geht es wieder zum Ausgangspunkt.

 

 

Zurück zur Überschrift frage ich nochmals, ist Geocaching besser als jeder Reiseführer? Nein sicher nicht, denn ein guter Reiseführer liefert neben Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten u.a. auch noch wertvolle Hintergrundinformation über Land und Leute. Für uns ist Geocaching jedoch eine sehr sinnvolle Ergänzung zur Reiseliteratur, denn auf die Bergwanderung zum Lykilsvatnet* wären wir sonst nie gekommen.

Liebe Leser, habt Ihr ähnliche Geheimtipps auf Reisen durch Geocaching entdeckt? Falls ja, fände ich es spannend diese zu erfahren.

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