Die Selbstverständlichkeit des Findens

Stellt Euch einmal folgende Situation vor. Ihr seid dabei einen Multi-Cache zu suchen. Die ersten Stationen waren gut zu finden und zu lösen, doch dann passiert es. Ihr kommt nicht weiter! Sei es, dass Ihr den Hinweis – warum auch immer – nicht findet oder Ihr das Field-Puzzle nicht lösen könnt. Was tun? Die große Mehrheit* von uns würde in diesem Fall einen TJ ziehen und einen Vorfinder oder den Owner um Hilfe bitten. Dieses Vorgehen ist geduldet, ja fast schon normal. Aber geht es auch konform mit der eigentlichen Idee des Geocachings?

Dieses Verhalten gilt natürlich nicht nur für Zwischenstationen, sondern auch für Finals einschließlich der Tradis. Ein DNF scheint keine Option zu sein. Selbst wenn am Ende nach telefonischer Rückversicherung und Beschreibung des Verstecks klar ist, dass sich das gesuchte Objekt nicht vor Ort befindet, wird nicht selten trotzdem ein „Found it“ geloggt. Das Finden eines Geocaches ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Man sagt: „ich mache morgen den Cache XY“ und nicht „ich versuche morgen den Cache XY zu finden“. Die Absichtserklärung beinhaltet also bereits das Finden der Dose.

Die ursprüngliche Idee hinter dem Geocaching ist einfach genial! Jemand versteckt einen „Schatz“, veröffentlicht dessen Geokoordinaten auf einer entsprechenden Plattform im Internet und lässt diesen von Gleichgesinnten mit Hilfe eines GPS-Empfängers suchen. Als Spielbrett dient der gesamte Planet, ein Leckerbissen für jeden Outdoorliebhaber. Eine grundlegende Wende für das Spiel ereignete sich im Jahr 2007 und nachdem die Smartphones nahezu flächendeckend die Gesellschaft eroberten, ist der traurig schauende, blaue Smiley scheinbar überflüssig geworden. Der heutige Punktesammler Geocacher ist immer und überall online, hat Zugriff auf diverse GC-Leaks Quellen und dutzende von Telefonjokern. Geocaching funktioniert nicht ohne IT, aber deren Fortschritt ist IMHO unter anderem ursächlich für die negative Entwicklung, welche die GPS-Schnitzeljagd in den letzten Jahren genommen hat.

Die eigentlichen Werte des Geocachings, wie draußen sein, interessante Orte aufsuchen, die Natur genießen, sich mit speziellen Aufgaben befassen und am Ende vielleicht durch das Signieren eines Logbuches das Pünktchen auf das „i“ zu setzen, nehmen immer mehr ab. Es geht eher darum Caches abzuarbeiten, Smileys zu erzeugen, die Homezone sauberzuhalten und völlig langweilig ganz wichtig, die persönliche Statistik zu befriedigen! Dabei helfen nur Found-Logs, bloß kein DNF, niemals!

Würde das Spiel nicht (wieder) viel mehr an Reiz gewinnen, wenn man vorher nicht weiß, ob man einen Cache findet oder nicht? Es ist nichts Negatives oder gar Peinliches daran, eine Dose nicht zu finden. Ich habe mir für die Zukunft vorgenommen, beim nächsten Mal dem Drang einen TJ zu ziehen, zu widerstehen. Mal sehen ob ich das schaffe. Ich bin mir jedoch sicher, dass neben den Erlebnissen in der Natur auch nicht gefundene Caches dafür sorgen, dass das Hobby spannend bleibt. Beim nächsten Fund freut man sich dann umso mehr.

In diesem Sinne, Hauptsache Draußen sein, es lebe der DNF!

* ich schließe mich da mit ein

One thought on “Die Selbstverständlichkeit des Findens

  1. Wenn ich sage „Morgen mache ich Cache XY“, dann heisst das natürlich, dass ich den angehe, und zwar mit dem Ziel, den auch zu finden – andererseits könnte ich auch in einem meiner Stammwälder spazierengehen. Allerdings bin ich ganz bei Dir, wenn es darum geht, dass der Weg das Ziel ist. Wenn es ein schöner Ausflug war, fällt der DNF bei Weitem nicht so ins Gewicht. Ich befürchte allerdings, nein, ich bin mir sicher, dass für viele Cacher nicht der Ausflug im Vordergrund steht, sondern der Fund. Und da „schmerzt“ der DNF natürlich viel mehr, wenn das Primärziel nicht erreicht wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.