Der Niedergang des Geocachings

Durch die jüngsten Vorkommnisse bei den Paddeltrails auf dem Neckar und der Jümme, ist Groundspeak in einigen Blogs und anderen Kanälen einmal mehr in die Kritik geraten. Ein weiterer – „pro Groundspeak“ – Artikel beleuchtet die Ereignisse aus einem etwas anderen Winkel. Ich wollte dort zunächst einen Kommentar hinterlassen, habe mich dann jedoch zu diesem Beitrag entschieden. 

Man kann das Unternehmen aus Seattle sicherlich an der einen oder anderen Ecke kritisieren, aber ich störe mich im Wesentlichen gar nicht am Plattformbetreiber, sondern eher an den fürchterlichen Trends der letzten Jahre. Bis auf ganz wenige Ausnahmen kommt hier (Raum BS-GF-WOB) nur noch Mist auf die Karte (Biltema, Challenges, Jigidis, Kombinationen daraus, Mikros an der Autobahn, Eventinflation, etc.), der den Gummipunktesammlern nur dazu dient, sich ihre aussagelose Statistik vollzuballern. Die in Verruf geratenen Paddeltrails zähle ich ebenso dazu, erst Recht wenn es sich um als Letterbox verkleidete Tradis handelt.

Mit Geocaching hat das schon lange nichts mehr zu tun, es heißt nur noch so. Klar muss man diesen Mist nicht mitmachen und kann ihn ignorieren, aber die Suche nach den Perlen, nach den echten Geocaches, wird immer schwieriger und die zurückzulegende Entfernung dorthin, immer größer.
Groundspeak hätte sicherlich die Möglichkeit einiges an Schwachsinn zu unterbinden (z.B. Stichwort Auslegebeschränkung), aber generell ist es eher eine Frage, was die Community aus dem Hobby macht. Dieser geht es zum größten Teil leider nicht um Naturverbundenheit. Das Geocachen steht nicht ergänzend zum Outdoorerlebnis, sondern das selbstverständliche Finden, das welchen Zähler auch immer hochschraubt, steht im Fokus.

Lt. einer Studie aus 2008 empfinden mehr als 50% der Deutschen, dass wir in einer Neidgesellschaft leben. Das äußert sich auch beim Geocaching. Mehr haben wollen als andere, neidisch sein, andere neidisch machen. Es geht um Aufmerksamkeit und Anerkennung, wer diese nicht im beruflichen oder im familiären Umfeld bekommt, muss sich eben an den digitalen Matrizen von Groundspeak ergötzen. Ich weiß nicht wann diese Statistik-Matrizen eingeführt wurden, als ich angefangen habe, waren sie schon da. Doch diese, Schwanzvergleich provozierenden, Grafiken sind die Wurzel allen Übels. Eine Abschaltung wird es allerdings nicht geben. Da werden die Damen und Herren aus Washington den Teufel tun, denn das kostet mit Sicherheit Kundschaft, und dem Unternehmen wird es egal sein, ob die Beiträge von Geocachern oder von Gummipunktesammlern kommen. Außerdem würde ohne Zähler und Statistik wahrscheinlich kaum noch jemand online loggen und das wäre dann wohl das endgültige Ende des Spiels. Mit einer Renaissance des Geocachings ist also nicht zu rechnen.

Umgang mit der Situation

Das Cachen in der direkten Homezone habe ich so gut wie auf Null heruntergefahren. Mittlerweile gäbe es für mich im 10km-Radius zwar wieder statte 160 nichtgefundene Dosen, mein Interesse diese anzugehen, ist jedoch schlicht nicht vorhanden. Entweder sind sie einer der oben genannten Kategorien zuzuordnen, oder sie liegen in einer Gegend, die ich kenne und wo die Chance etwas Neues gezeigt zu bekommen sehr gering ist. Und das ist doch letztendlich der Kern des Geocachings, wenn man an einen unbekannten Ort geführt wird, dort etwas gezeigt bekommt und idealerweise anschließend sagen kann: „Hier wäre ich ohne Geocaching nie hingekommen.“

Dieser Grundsatz wird leider immer weniger berücksichtigt, ja er ist fast schon ausgestorben. Heutzutage reicht ein dünner Baum, der gut für eine Angel zugänglich ist und am besten noch verkehrsgünstig liegt, um den Punktegeiern den Schaum vor den Mund zu treiben. Mittlerweile bin ich tatsächlich ein Reisegeocacher geworden. Ich gehe fast nur noch in fremden oder wenig bekannten Regionen auf Dosensuche und verbinde diese dann in der Regel mit einer Wanderung, einer Radtour oder Ähnlichem.

Alternative Opencaching

Ich habe mich in der jüngeren Vergangenheit vermehrt mit Opencaching beschäftigt. Die Plattform ist für mich jedoch keine ernstzunehmende Alternative. Außer den Virtuellen, die ich sowohl bei GS als auch bei OC gerne aufsuche, ist das Angebot dort einfach viel zu dünn bzw. wenn man ins Ausland blickt, so gut wie gar nicht vorhanden. Dabei meine ich mit „viel zu dünn“ nicht nur die Anzahl vorhandener Caches, sondern auch deren Qualität*. Weiterhin habe ich die Erfahrung gemacht, dass Top-Locations, die ich durch Caches auf GC.com kennengelernt habe, in den seltensten Fällen auch auf OC bedost sind.

Trotzdem habe ich mir vorgenommen weiterhin hier und da einen OC-only „zu legen“, um die grundsätzlich sympatische Plattform zu unterstützen. Jedoch werde ich mich dabei weitestgehend auf wartungsfreie Virtuals beschränken.

Fazit

Das grundsätzlich interessante und faszinierende Hobby Geocaching scheint nicht in jede Gesellschaft zu passen bzw. es ist nicht massentauglich. Mal sehen wie es sich in den nächsten Jahren entwickelt. Viel Hoffnung auf Besserung habe ich allerdings nicht.

* mit der mangelnden Qualität beziehe ich mich auf Caches, mit denen ich mich in meiner Homezone auseinandergesetzt habe. Das mag in anderen Regionen natürlich ganz anders aussehen.

 

11 thoughts on “Der Niedergang des Geocachings

  1. Also uns persönlich machen nur diejenigen Menschen das Hobby kaputt, welche es zu ernst nehmen, anderen weder Spaß noch Punkte gönnen und Geocaching für ein elitäres Hobby halten. Wir sind jetzt seit 2013 dabei und liegen bei knapp über 2000 Caches. Wir sind aus gesundheitlichen Gründen bisher nicht dazu gekommen, weit zu reisen und haben keinen Cache im Ausland. Da wir nur am Wochenende Zeit haben, nutzen wir natürlich liebend gerne Trails in schöner Umgebung und nutzen diese, um 10, 15, 20 Kilometer zu wandern. Sicher findet man in dieser langen Zeit das eine oder andere hochwertige Schmankerl und „Petlinge im Busch“ gehören definitiv nicht dazu. Aber es gibt durchaus genügend liebevoll gestaltete Trails, die gut in die (oft lohnenswerte) Umgebung integriert sind. Qualitätscacher sind wir also auch irgendwie, aber natürlich freut man sich am Ende des Tages auch über die Smileys.

  2. Hallo,
    Leider wird hier der Begriff Qualität immer falsch gedeutet. Qualität ist die Erfüllung von (Kunden) Anforderungen. Und wen die Anforderung ein Event , eine Challenge oder ein Powertrail, ist diese Anforderung erfüllt. Qualität muss jeder für sich definieren.
    Also bleibt entspannt und macht was euch Spaß macht

  3. Bis auf ganz wenige Ausnahmen kommt hier (Raum BS-GF-WOB) nur noch Mist auf die Karte (Biltema, Challenges, Jigidis, Kombinationen daraus, Mikros an der Autobahn, Eventinflation, etc.), der den Gummipunktesammlern nur dazu dient, sich ihre aussagelose Statistik vollzuballern.
    ~~~
    Das trifft es auf den Punkt – das Lustige daran ist aber, dass sich die Gummi-Statistiker gestalkt fühlen und ihre Statistik frei nach ihrem Listing-Satz „Ich zwinge niemanden meine Caches zu machen und zur Not gibt es ja noch die Ignorliste, dann tauchen diese Caches bei dir nicht mehr auf.“ selbst für alle anderen auf hidden setzen.

    Ja, aber warum bastelt man sich seine x-Hunderttage am Stück dann überhaupt (online) so mühselig zusammen? Für die nächste Challenge, die kaum einer erfüllen kann, wenn er seine Statistik nicht frisiert hat?

    Viel Zeit spart man sich als Gummipunktesammler auch, wenn Freunde in fremde Länder fahren und einen mitten im fremden Land für den Länderpunkt mit in eine Dose eintragen – dann muss man nur noch schnell online loggen – #läuft…

    Die Gummi-Statistiker sind dann auch die, die jede Dose ohne Datum (warum bloß?) und jeden Online-Log mit ihren vor Rechtschreibfehlern nur so strotzenden Textbausteinen (für die nächste tolle Statistik) versehen.

    Jeder wie er will, aber bitte macht unser schönes Hobby nicht mit solchem Müll kaputt.

  4. „nur noch Mist auf die Karte (Biltema, Challenges, Jigidis, Kombinationen daraus, Mikros an der Autobahn, Eventinflation, etc.), der den Gummipunktesammlern nur dazu dient, sich ihre aussagelose Statistik vollzuballern.“

    Gut, die erste Hälfte ist deine Meinung, das ist okay. Aber die zweite Hälfte des Satzes würde ich so nicht unterstreichen. Es gibt viele Cacher, die sich einen Dreck um ihre Statistik scheren, aber Spaß am Angeln, am Puzzlen oder an Events haben. Ob das irgendjemand gefällt, kann (und wird) ihnen egal sein. Die suchen einfach das, auf das sie Lust haben. Du schreibst über Neid und ich muß zugeben, manchmal bin ich neidisch auf diese „Anfänger“, weil sie einfach cachen und sich nicht um FB, Blogs, Fundzahlen, Statistiken und andere Aufreger in der Geocaching-Welt kümmern.

    Und selbst wenn es nur um Statistik gehen würde: Solange es Cacher gibt, die an den Dosen Spaß haben, haben sie ihre Daseinsberechtigung. Mich kratzt es genau null, wenn jemand 100 T5er erpaddelt (oder geschenkt bekommt), egal, ob das jetzt Tradis, Mysterys, Wherigos oder Letterboxen sind. Aufschrei, weil es T5-Events gab/gibt, wo das Logbuch erklettert werden mußte und man trotzdem online loggen darf? Geschenkt. Es nimmt mir einfach nichts weg. Wenn mir ein Cache augenscheinlich nicht zusagt, suche ich ihn nicht. Wenn ich das vorab nicht merke – Pech gehabt.

    Ich mag _meine_ Statistik und ich mag auch viele Challenges. Das ist halt mein Geschmack, den muß niemand teilen. Ich verstehe aber nicht wirklich, was das Problem dabei sein soll, wenn _ich_ für _meine_ Statistik cache. Ich nehme niemandem sein Geocaching-Erlebnis, seine Dosen, seine Fundmöglichkeiten. Und nachdem Geocaching immer noch kein Wettbewerb ist, bin ich aufgrund irgendwelcher Zahlen auch nicht besser oder schlechter als andere. Wenn jetzt jemand auf irgendwelche Charts verweist und das anders sieht: Sein Problem, nicht meins.

    Im Übrigen fehlt meiner Meinung nach bei der Überschrift ein Fragezeichen. Meine Antwort wäre ein klares Nein auf diese Frage. Geocaching wandelt sich und das gefällt nicht jedem. Muß es auch nicht. Das Problem sehe ich eher darin, daß es zu viele Köche gibt. Jeder definiert Geocaching für sich mal mehr, mal weniger anders. Und jeder beharrt darum, daß Geocaching genau SO sein muß. Ich kann dieses „Warum statt 5 Tradis nicht einen _schönen_ Multi legen?“ nicht mehr hören. Als ob ein Multi pauschal „schön“ wäre, nur, weil es halt ein Multi ist. Ich mag Tradis eher lieber als Multis, aber es gibt nun mal genauso schöne Tradis (Mysterys, etc.) und beschissene Multis.

    Wir in Deutschland täten gut daran, einfach mal etwas entspannter zu sein und einfach zu suchen, was wir suchen wollen. Und den Rest einfach liegen lassen.

  5. Du sprichst mir aus der Seele! Wobei ich das Glück habe, dass mir geocaching immer noch Spass macht und weil ich schon lange nicht mehr auf Masse gehe (ja, natürlich hatte auch ich mal die Phase) habe ich noch genug in der Umgebung liegen. Ich glaube aber nicht, dass die schnöde Statistik am „Niedergang“ schuld ist.

    Leider gebe ich Dir aber in dem Punkt recht, dass der größte Teil an neuen Dosen nur noch Rotz ist! Für mich völlig unbegreiflich, wird sich nur noch am absoluten Mindeststandard, an den Mindestanforderungen ausgerichtet. Der besagt lediglich „Dose verstecken ohne Abstandskonflikt“.
    Auf Qualität, Anspruch, wird leider kein wert mehr gelegt. Quantität statt Qualität zählt!
    Was waren das noch für Zeiten, als die Grundregel „location! Location! Location!“ war. Oder Owner sich die Mühe mit Bastelarbeiten machten, lange Multis ausarbeiteten. Heute muss man ja froh sein, wenn es zum Micro in der Pissecke noch einen kurzen Satz im Listing gibt.

    Egal, darüber haben wir ja alle schon oft genug geschimpft und es hat sich nichts geändert. Allerdings frage ich mich immer öfters, warum sich nicht endlich einmal unsere Reviewer einmischen! Die Anforderungen und Reglementierungen sind nun mal nicht in jedem Land gleich. Also muss es doch möglich sein, länderspezifisch anders zu reagieren. Pornotrails nicht zu veröffentlichen, die oftmals diskutierte Sättigungsregel, Verhältnis Funde-gelegte Dosen, etc.

    Die Amerikaner haben nun mal ganz andere Ansprüche als z.B. wir in Deutschland. Das können aber nur lokale Cacher / Reviewer kommunizieren. Und ich denke, auch nur diese könnten darauf reagieren.
    Warum wird im Norden ein bekloppter Paddel-Porno-Trail veröffentlicht, wenn das bei uns auf dem Neckar schon so ein Theater gegeben hat (zu Recht!). Warum muss hier in der Nähe im Wald ein ekelhafter Biltema-Pornotrail veröffentlich werden? Warum können sich da Reviewer in Deutschland nicht absprechen und bundesweit einen Publish-Stop für Massenbedosungen einführen?
    Vielleicht wäre es hilfreich, wenn hier etwas „Transparenz“ ins Spiel kommen würde: Dürfen Reviewer das nicht? Sollen sie es von Seiten G$ nicht? Wollen Sie es nicht, weil sie evtl. Opfer von Shitstorms werden könnten?
    Wie man am hirnlosen Post von „ein Cacher“ sieht, können wir auf den Eigenanspruch der Cacher an Qualität nicht bauen – also hilft nur eine Reglementierung.
    Schade drum, aber ich wüsste nicht, wie man sonst noch den Qualitätsverfall stoppen könnte

    1. Der Ansatz mit unseren Reviewern ist sehr interessant! Ich denke aber mal, dass wir mit unserer Sichtweise deutlich in der Unterzahl sind. Ich vermute, dass die Mehrheit diesen Mist total geil findet und daher ist von Seiten der Reviewer m. E. keine Unterstützung zu erwarten…leider.

      1. Wir befürchten, dass ihr beiden die Kompetenzen von uns und von unseren Kollegen komplett überbewertet:

        Wir Reviewer haben die Aufgabe Caches auf Guidelinekonformität zu prüfen. Wenn diese gegeben ist, bleibt uns nichts weiter übrig, als auf den grünen Knopf zu drücken (und ja, bei potentiell problematischen Caches fragen wir auch nach Erlaubnissen, und prüfen diese auch gerne mal nach)!

        Irgendetwas verhindern können wir da also schon mal gar nix!

        Weiter gehende Beschwerden sind daher nicht an die Reviewer sondern an den Seitenbetreiber in Seattle zu richten (kleiner Tipp, nicht das bekannte Listing dafür nutzen ;))

    2. … hirnlosen Post von „ein Cacher“ …

      Nicht fein ausgedrückt, fürwahr, wo doch der Ansatz von „ein Cacher“ nicht schlecht ist. Wer keine Statistiker mag, schaltet sie ab, wer sie gut findet, schaut sie sich an. Und alle sind zufrieden.

      Was hier nun hirnlos ist, muss jeder selbst bewerten 🙂

    3. „…idealerweise anschließend sagen kann: „Hier wäre ich ohne Geocaching nie hingekommen….“

      Du sagst es.
      Aber auch das kann durch eine Runde mit vielen „Gummipunkten“ ausgelöst werden. Beispiel Letterboxen bei Ehrwald:
      Ohne die vielen Dosen in der Gegend wäre ich da nie hingefahren und hätte kein unvergessliches Wochenende mit Cacherfreunden erlebt…

  6. Sicher, dass Du nicht in meiner Homezone wohnst? Hier sieht es ziemlich ähnlich aus. Überwiegend uninteressante Restdosen, alles, was straßenrandfern liegt, kann man nach 1-2 Jahren getrost archivieren, weil eh keiner mehr kommt. Das einzige, was hier boomt, sind Null- und Nichtevents, was dann als „Geocaching“ bezeichnet wird.

  7. Warum die Statistiken komplett abschalten? Groundspeak könnte doch eine Option integrieren, so dass die ewigen Anti-Statistik-Heulsusen einfach für sich sämtliche Statistiken, auch bei anderen Cachern, unsichtbar schalten könne.

    Und OC ist keine Alternative, bei den wenigen Caches, mal davon abgesehen, dass es dort AUCH ne Statistik gibt…

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