Die neuen Virtuals – ein Zwischenstand

Nachdem Ende August weltweit 4000 Owner das Recht erhielten einen virtuellen Cache legen zu dürfen, haben nun nach etwa dreieinhalb Monaten 198* neue Gespenster-Icons in Deutschland das Licht der Welt erblickt. Wir erinnern uns, der Großteil der Gewinner hat diesen Award bekommen, weil diese Owner zu den weltweit besten 1% gehören, was die Cache-Qualität betrifft.

This group is made up largely of the top 1% of quality cache hiders from countries with at least 100 hiders. We created an algorithm to identify these people based on overall cache quality and cache health. Active community volunteers are also receiving a Virtual Reward as a thank you for giving their time and talent to support the geocaching community.

Mit neun Funden (drei in Hannover, drei in Berlin, einen in Worms, einen in Braunschweig und einen in der Nähe von Darmstadt) habe ich selbst bisher nur einen Bruchteil der neuen Virtuals besucht. Da sich deren Qualität anhand der gewählten Location, der gestellten Aufgaben (Logbedingungen) und des Listings jedoch ganz gut beurteilen lässt, ohne den Cache aufgesucht zu haben**, möchte ich mit diesem Artikel versuchen, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Um in meiner Bewertung objektiv*** zu sein, hätte ich alle 198 Listings aufrufen und beurteilen müssen. Das war mir jedoch eindeutig zu mühsam und zeitintensiv. Daher habe ich mich auf eine gewisse Auswahl beschränkt. Neben den von mir besuchten Virtuals habe ich mir insgesamt 30 weitere angeschaut, die ich durch Verwendung folgender Filterfunktionen ausgewählt habe:

  • Die meisten Logs
  • Die meisten Favoritenpunkte
  • Die höchste Favoritenquote

Alle von mir betrachteten Caches werde ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags nicht namentlich erwähnen. Mir ist jedoch bei der Auseinandersetzung mit diesen aufgefallen, dass sich die meisten in drei Gruppen einsortieren lassen, wobei es durchaus zu Überschneidungen kommen kann.

 

Gruppe 1: Bedeutende Sehenswürdigkeiten

ein Foto, zwei Virtuelle

Wie zu erwarten war, tauchen neue Virtuals an nahezu jeder bedeutenden Sehenswürdigkeit  (z. B. Brandenburger Tor, Elbphilharmonie, Porta Nigra, Frauenkirche, usw.) auf. Solche Locations sind ohne Zweifel nicht nur wegen ihrer kulturellen Bedeutung prädestiniert für einen virtuellen Cache. Qualitätsunterschiede ergeben sich trotzdem. Reicht für das Brandenburger Tor ein Foto mit einem GPS Gerät und dem Bauwerk im Hintergrund, war der Owner in Trier mit seiner Logbedingung einen Trackable durch die Porta Nigra „gehen“ zu lassen, schon kreativer. Allein bei meinen neun absolvierten Virtuals reichte den Ownern fünfmal ein einfaches Foto als Logbedingung. Für Gewinner eines Awards finde ich das ehrlich gesagt ein wenig einfallslos. Außerdem verführt diese simple Bedingung zum Missbrauch. Besucht man beispielsweise die Reichstagskuppel in Berlin, kann man bei geschickt gewählter Perspektive gleich zwei Virtuelle mit einem Foto erschlagen. 

 

Gruppe 2: Weitläufige Orte / Areale

In diese Gruppe lassen sich zum Beispiel GC7B76A in Karlsruhe, GC7B8KT in Bautzen und GC7B9ZC bei Dillenburg einordnen. Hier zeigen die Owner über mehrere Wegpunkte und teilweise sehr langen Wegstrecken ganze Areale bzw. Orte. Die Aufgaben sind vielfältiger und der „Suchende“ bekommt mehr zu sehen. Selbstverständlich beansprucht ein Cache dieser Kategorie mehr Zeit. Wer jedoch am Cache selbst und nicht am schnellen Punkt interessiert ist, wird diesen Umstand gerne in Kauf nehmen. Die Virtuellen, die ich mir angeschaut und in diese Gruppe einsortiert habe, fand ich alle sehr gut.

 

Gruppe 3: Kreative Logbedingungen

Ich bin auf einige sehr interessante Listings gestoßen, die in diese Gruppe passen. Zu meiner Freude befindet sich sogar einer dieser ungewöhnlichen Virtuals gar nicht weit entfernt von mir. Bei „Tatort Innerste“ schlüpft der Geocacher in die Rolle eines Kripobeamten der Mordkommission. Bei Gelegenheit werde ich hier mal mein schauspielerisches Talent prüfen. Bei dem Cache GC7B79T verlangt der Owner ein Experiment auf bzw. in einem See. Da die Location in einer Gegend liegt, in die ich nur selten komme und man dafür auch noch ein Boot benötigt, werde ich diesen Cache wahrscheinlich nicht machen können. Die Aufgabe finde ich allerdings sehr reizvoll. In Großheubach zeigt der Owner das Franziskanerkloster Engelberg. Die Absolventen müssen als Logbedingung ihren Nickname und das Datum ihres Besuches auf sehr kreative Art und Weise erstellen.

 

Mein Zwischenfazit

Ich habe viele neue Gespenster gefunden (entweder selbst absolviert oder nur das Listing bewertet), bei denen ich sagen würde, dass diese gut bis sehr gut gelungen sind und die bei den Besuchern sicher gut ankommen werden. Allerdings war ich von einigen auch ziemlich enttäuscht. Als einzige Bedingung ein Foto mit XY im Hintergrund zu fordern, finde ich einfach zu kurz gesprungen. Zumal XY in einigen Fälle nicht einmal eine bedeutende Sehenswürdigkeit ist.

Ich persönlich würde den Virtuals meiner zweiten und dritten Gruppe die höchste Qualität zuweisen. Denn zu den Sehenswürdigkeiten der Gruppe 1 kommt man in der Regel auch ohne Geocaching. Bei den Gruppen 2 und 3 kann man hingegen auf ein besonderes Erlebnis hoffen und die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass man im Anschluss sagt: „Hier wäre ich ohne Geocaching nicht hingekommen“.

Noch beträgt die Frist bis zur Publish-Deadline ca. acht Monate. Wir dürfen gespannt sein, was in dieser Zeit noch an virtuellen Caches veröffentlicht wird.

* Stand 07.12.2017

** Das können einige Zeitgenossen auch bei physikalischen Caches. Wie sonst könnten sie online Foundlogs schreiben, ohne jemals vor Ort gewesen zu sein?!

*** Wirklich objektiv wäre meine Bewertung natürlich nur, wenn ich alle 198 Caches tatsächlich besucht hätte. Da das jedoch nicht zu leisten ist (zumindest nicht für mich), und ich in keinem Listing ein Couchpotato-Attribut gefunden habe, muss ich mich mit der gewählten Datenbasis zufrieden geben.

2 thoughts on “Die neuen Virtuals – ein Zwischenstand

  1. In Deutschland (*) bekommen vor allen Dingen Caches, bei denen gebastelt wird, viele Favoritenpunkte. Leute, die gut basteln können, beweisen damit Kreativität auf diesem Gebiet. Es kann auch sein, dass sie universell sehr kreativ sind. Aber es ist damit nicht unbedingt gesagt, dass sie auch das Talent haben, sich eine kreative „virtuelle“ Aufgabe einfallen zu lassen. Dies erklärt sicherlich einen Teil Deiner Beobachtungen.

    (*): Im Ausland scheint das nicht so zu sein, wenigstens für Frankreich und Spanien, wo wir in den letzten Jahren öfter in Urlaub waren, kann ich das so sagen, da wird eher eine gute Location belohnt. Man hört, dass es in England ähnlich ist wie in Deutschland. Wie es in den USA ist, wo nun mal die Entscheidung getroffen wurde, wer einen Virtual listen darf, weiß ich nicht.

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