Wie viel spoilern ist erlaubt?

Spoilern gehört zum Geocaching wie ein Handspiel zum Fußball. In gewissen Fällen ist Spoilern sogar erlaubt* bzw. erwünscht. Zum Beispiel für den Fall, wenn ein Owner ein Spoilerfoto spendiert, um zu verhindern, dass allzu ungeduldige Zeitgenossen bei einer gut getarnten Dose die komplette Umgebung niedertrampeln und/oder auseinanderpflücken. Weiterhin haben viele von uns – vielleicht sogar alle – schon einmal einen Telefonjoker gezogen, wenn sich eine Dose partout nicht zeigen wollte. Der TJ ist zwar in den seltensten Fällen ausdrücklich erwünscht, aber im Allgemeinen doch in einem breiten Maß toleriert.

Wie aber verhält es sich, wenn im Onlinelogbuch gespoilert wird? Ich denke hier ist das Maß des Geduldeten in erster Linie stark von der Toleranz des Owners abhängig. Ich persönlich finde kleine spoilernde Phrasen wie „mit einem anderen Blickwinkel konnte ich die Dose dann finden“ oder „zuerst auf der falschen Höhe gesucht“ völlig in Ordnung und manchmal auch hilfreich. In der Regel tarnt man einen Cache ja damit er nicht von Muggels, wohl aber von Geocachern gefunden wird. Die Kunst beim Spoilern im Onlinelogbuch ist es einen kleinen Tipp zu geben, ohne den folgenden Besuchern den Spaß, die Spannung oder allgemein das Funderlebnis zu nehmen.

Vor einigen Tagen habe ich allerdings im Logbuch eines Caches**, dessen Listing ich lange nicht geöffnet hatte, spoilernde Logs entdeckt, die meiner Meinung nach die Grenze des Tolerierbaren deutlich überschreiten. Es handelt sich dabei um einen Mystery mit der zweithöchsten Schwierigkeitswertung (D4,5). Die scharf abgegrenzte Location an der sich das Final befindet, ist durch dessen Namen eindeutig zu lokalisieren und aufgrund der Abstandsregel könnte man das Versteck bei Bekanntwerden der Location bis auf wenige Meter eingrenzen.

Da es sich wie bereits erwähnt um einen Mystery handelt, ist es für mich selbstverständlich, in diesem Fall den Namen der Location geheim zu halten und natürlich auch keine Fotos hochzuladen, auf denen die Gegend zu erkennen ist. In mindestens zwei der letzten Logs wurde jedoch dermaßen gespoilert, dass eine D4,5-Wertung nicht mehr gerechtfertigt ist. Beispielsweise wurde ein Foto hochgeladen, auf dem die Location zweifelsfrei zu erkennen ist. In einem anderen Log wurde diese sogar namentlich erwähnt.

Nach kurzer suche ein verlautbares hab ihn… ja dieser XXX***

Dasselbe Log enthält darüber hinaus ein Foto, welches im Titel auch noch einmal die Bezeichnung der Location trägt. Man hätte dem Log auch einfach ein Foto mit Geotags anhängen oder die Lösungskoordinaten gleich in schriftlicher Form beilegen können. In diesem Fall wurde ein anspruchsvoller Mystery zu einem Tradi mit ungenauen Koordinaten degradiert. In meinen Augen ist das eine Respektlosigkeit gegenüber dem Cachetyp „Unknown“. Denken diese Leute nicht über ihr Handeln nach oder ist es ihnen schlichtweg egal?

Wahrscheinlich ruft dieser Beitrag in Zeiten, in denen Listen mit Zigtausend Finalkoordinaten in den sozialen Netzwerken kursieren bei vielen nur ein Gähnen hervor, trotzdem würde mich Eure Meinung zu diesem Thema im Allgemeinen und im Speziellen interessieren.

* so auch das Spielen des Balles mit der Hand beim Fußball, z.B. durch den Torwart oder beim Einwurf

** gelistet auf www.geocaching.com

*** XXX zensiert hier den Namen der Location

 

 

2 thoughts on “Wie viel spoilern ist erlaubt?

  1. Und was an dieser Mainstream-Meinung sollte nun einen Shitstorm auslösen?

    Und mal wieder:
    Früher waren wir was Besseres, hatten ein exklusives Hobby und fühlten uns toll. Heute machen uns die Neuen und Ahnungslosen das Hobby kaputt.
    Frag mal andere Hobbyisten: Motorradfahrer, Modellbauer, Sammler, Strickende…
    Alle könnten exakt das Selbe sagen.

  2. Lieber Röbü,
    ich habe zu dem Thema eine differenzierte Sicht, die ich gern darlege, aber lieber anonym bleiben möchte, weil sonst vermutlich ein kleiner Shitstorm aufziehen könnte. Ich bin selbst Owner einiger knackiger Mysterys (>D4) und einiger liebevoll gemachter (Wander-)Multis. Ich bin seit 10 Jahren dabei und habe um die 5.000 Funde, nur damit man meine Einschätzung einordnen kann.

    Als Owner bin ich auch immer wieder etwas platt ob der geistigen Umnachtung mancher Cacher, die eine Finallocation offen ansprechen oder Bilder beifügen, aus denen man auf das Final schließen kann. Ich schreibe die Loggenden immer nett an, dass sie doch bitte ihre Logs etwas anpassen. Mein Ziel ist es, dass Cacher, die ohne über meinen Hint hinausgehende Spoiler meine Caches absolvieren möchten, nicht zufällig beim Lesen von Logs oder Anschauen der Bilder sofort die Lösung wissen. Oft sind die zu sehr spoilernden Neulinge, die wohl nicht so wie wir damals behutsam von erfahrenen Cachern in dieses mysteriöse Hobby eingeführt worden sind und sich auch nicht extra ein teures Garmin gekauft haben, sondern mit dem Handy cachen (ich kenne aber auch Cacher mit 10.000 und mehr Funden, die schon lange dabei sind und mit dem Smartphone cachen…). Dank der Smartphones (ich bin froh, mein Leben darüber zwischendurch organisieren und planen zu können) ist Geocaching heute ein Hobby wie jedes andere, in dem sich der Querschnitt der Gesellschaft in allen Facetten wiederfindet.

    Andererseits habe ich absolut nichts dagegen, wenn Koordinaten meiner Caches im Internet kursieren (das tun sie und sie werden trotzdem nicht von Horden überrannt, weil ich keinen Trail ausgelegt habe). Jeder soll das Spiel so spielen, wie er möchte, sodass es jedem Spaß macht. Ich selbst löse zwar auch unheimlich gern sehr komplizierte Mysterys, aber mir macht einfach das Lösen an sich Spaß und wenn ich alternative Lösungsmethoden finde (Exif, Abstandskonflikte, Bilder, Logs, Formelanalyse), freue ich mich meist sogar umso mehr über meine Kreativität und kombinatorischen und mathematischen Fähigkeiten 🙂
    Ansonsten freue ich mich auch sehr, wenn ich außerhalb der Homezone bei der Planung einer Wanderung auf einige gelöste Koors aus dem Netz zurückgreifen kann, um die Wanderung etwas interessanter zu gestalten. Denn eines ist klar, neben der Arbeit schaffe ich es zwar, meine Homezone sauber zu halten, aber darüber hinaus auch an anderen Orten Caches zu lösen, ist (mir) etwas too much.

    So long, happy hunting!

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