Pretoria – gewöhnlich ist anders

Pretoria zählt in etwa 750.000 Einwohner und ist die Hauptstadt der Republik Südafrika. Sie teilt sich diese Funktion jedoch mit den Städten Kapstadt und Bloemfontein, in denen das Parlament bzw. das Berufungsgericht ihren Sitz haben. Pretoria fristet im Vergleich zum benachbarten und viel größeren Johannesburg eine Art Cinderella-Dasein, dennoch hat die Stadt interessante Ecken und die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu bieten.

Bei meinem ersten Besuch im Januar 2016 sind mir im chaotischen Straßenverkehr als erstes zwei Dinge aufgefallen. Die laut und ständig hupenden Kleinbusse und die Tatsache, dass eine rote Ampel scheinbar weniger eine strikte Verkehrsregel, sondern mehr eine Art „Empfehlung“ zu sein scheint. Meinen einheimischen Fahrer sprach ich damals auf diese für mich chaotischen Zustände an. Noch heute habe ich seine amüsiert erwiderten Worte im Ohr: „This is Africa my friend!“ Damit hatte ich meine erste Lektion gelernt und verfolgte das Geschehen in den Straßen während der Weiterfahrt wahrscheinlich mit offenem Mund.

Weitaus weniger lustig und eine der größten Einschränkungen für Touristen und Besucher ist die weiterhin sehr hohe Kriminalitätsrate in den Großstädten von Südafrika. Tötungsdelikte, Raub und Überfälle gehören zur Tagesordnung. Zu den meisten gewalttätigen Vorfällen kommt es zwar vorwiegend in den Townships, aber auch außerhalb dieser Armenviertel muss man insbesondere nach Einbruch der Dämmerung und an den Wochenenden sehr vorsichtig sein.

Müllverbrennung am Rande eines Townships

Das auswärtige Amt rät, unbelebte Gegenden und einsam gelegene Wanderwege zu meiden. Ausflüge sollten nur in Gruppen unternommen werden. Für Naturliebhaber und Outdooraktivisten sind das ärgerliche Einschränkungen. Ich kann aber aus eigener Erfahrung empfehlen, sich an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten und kein unnötiges Risiko einzugehen. Ich habe miterlebt, wie auf einer Autobahn ein Geldtransporter gesprengt und ausgeraubt wurde. In den Randgebieten werden in den sogenannten „Hi-jacking hotspots“ ebenfalls vermehrt Autos an Straßenkreuzungen überfallen. Einheimische berichteten mir, dass sie dort nach Einbruch der Dunkelheit an roten Ampeln nicht anhalten.

 

Doch trotz dieser Einschränkungen gibt es einige Möglichkeiten sich aktiv zu betätigen. Wenige Kilometer westlich der Stadt befindet sich, eingebettet in eine grüne Hügellandschaft, ein Wandergebiet. Die schöne Umgebung lässt sich dort auf drei verschiedenen Trails, an denen auch einige Geocaches versteckt sind, erkunden. Allerdings ist das Gebiet nicht öffentlich. Man ist an Öffnungszeiten gebunden und muss als Tagesbesucher 80 Rand (entspricht etwa 5 Euro) Eintritt zahlen. Gewandert bin ich dort bisher noch nicht, aber ich kenne die Landschaft und die Beschreibung der Touren klingt verlockend. 

In diesem Jahr fand ich immerhin die Gelegenheit, eine der Hauptattraktionen Pretorias zu besuchen. Die 1913 errichteten Union Buildings, welche Sitz der Regierung sind und die Amtsräume des Präsidenten der Republik Südafrika beinhalten. Am 10. Mai 1994 fand hier die historische Amtseinführung des Präsidenten Nelson Mandela statt. Im angrenzenden Park erinnert heute eine bronzene Statue an diesen großen Staatsmann.

Von den erhöht liegenden Union Buildings hat man außerdem einen grandiosen Blick auf Downtown Pretoria. Da diese Location ideal für einen Virtuellen Geocache ist, habe ich dort einen „OC-only“ bei Opencaching angelegt. Vielleicht lockt dieser ja irgendwann einmal einen Besucher an diese Sehenswürdigkeit.

Pretoria ist interessant. Die Stadt ist laut, wuselig und verrückt. Und obwohl es viele Metropolen gibt, die attraktiver sind als die Hauptstadt Südafrikas, lohnt sich ein Besuch durchaus. Nicht zuletzt, um im Januar bei hochsommerlichen Temperaturen dem deutschen Winter zu entfliehen.

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