2-tägiger Roadtrip über die Insel

Für unsere letzten zwei Urlaubstage auf Mallorca hatten wir einen Mietwagen gebucht. Nach einigen Fahrrad- und Wandertouren in der näheren Umgebung von Alcúdia, sollte die Insel nun etwas weiträumiger erkundet werden.

Tag 1 – Durch die Serra de Tramuntana bis zur Halbinsel Formentor

Nachdem wir unser Auto in Empfang genommen hatten, fuhren wir zunächst nach Alcúdia, um dort einen Bummel durch die Altstadt zu machen. Diese ist zwar äußerst sehenswert, aber auch Anfang Oktober noch total überlaufen. Besonders hat mich dabei gestört, dass wir uns auf Auslandsreise befanden, um uns herum jedoch fast ausnahmslos deutsch gesprochen wurde. Ich finde, der Reiz des fremden geht dadurch etwas verloren. Neben den typischen engen Gassen ist vor allem die sehr gut erhaltene Stadtmauer, die gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, interessant.

Gegen Mittag ging es auf der Ma-13 Richtung Palma. Als wir vor den Toren der Hauptstadt nach Bunyola abbogen, erblickten die Jungs von der Rückbank aus ein großes Outletcenter. Gegen die Shoppinggelüste war kein Kraut gewachsen und so begaben wir uns erstmal auf Einkaufstour durch die Geschäfte der Sportartikel- und Modehersteller. Hinter Bunyola mussten wir uns dann entscheiden, auf welchem Weg wir weiter nach Sóller fahren sollten. Zur Wahl standen entweder der kürzere und bequeme Weg durch den Tunnel, oder der längere Weg über gefühlt 1000 Serpentinen über die Berge. Da wir Urlaub hatten und möglichst viel von der Landschaft sehen wollten, entschieden wir uns selbstverständlich für letzteres. So cruisten wir bei Sonnenschein im Cabriotempo im Zick-Zack durch die Serra de Tramuntana.

Sóller ließen wir unbesichtigt liegen, denn unser erstes Ziel war Fonalutx, welches das schönste Dorf Spaniens sein soll. Schön ist der Ort allemal, erst Recht bei dem Kaiserwetter, das wir bei unserem Besuch hatten. Die vielen kleinen, schmalen und teils steilen Gassen laden zum Bummeln ein. Überall schmücken Blumen das typisch mediterrane Straßenbild. Das Zentrum bildet ein kleiner aber lebhafter Dorfplatz auf dem Cafés und ein Earthcache zum Verweilen einladen. Ob Fornalutx wirklich das schönste Dorf von Spanien ist, vermag ich kaum zu beurteilen. Zum einen habe ich am Rande der Sierra Nevada auch sehr schöne Dörfer gesehen, zum anderen war ich in vielen Regionen Spaniens noch nicht.

Nach der Dorfbesichtigung setzten wir unsere Fahrt in östlicher Richtung fort. Auf dem Weg zum Torrent de Parreis, einer der größten und bekanntestenn Schluchten im Mittelmeerraum, passierten wir zwei Stauseen (Cúber und Gorg Blau). Eigentlich hatten wir vor die Schlucht ein wenig hinaufzuwandern, doch durch einen Stau auf der Zufahrtstraße (Ma-2141) hätten wir viel Zeit verloren. Und da wir unbedingt noch die Halbinsel Formentor besuchen wollten, entschlossen wir uns zur Umkehr und Weiterfahrt Richtung Pollenca.

Pollenca und Port de Pollenca ließen wir liegen und besuchten den Geocache „Majorcas Best View“ auf Formentor. Um diesen zu erreichen, mussten wir von der Hauptstraße einen gut zwei Kiloter langen und schmalen Stichweg hinauf zu dem ehemaligen Wachturm Talaia d’Albercutx fahren. Der Titel des Caches ist nicht übertrieben. Die 360°-Aussicht vom Turm auf die wilde Natur Formentors, das Tramuntana Gebirge und hinaus auf das Meer verschlägt einem den Atem. Ein Geheimtipp ist dieser Ort zwar nicht unbedingt, aber wir haben diesen einmal mehr durch Geocaching entdeckt. Die Weiterfahrt bis hinaus ans Kap wäre zwar noch sehr reizvoll gewesen, doch langsam machten sich bei uns Müdigkeit und vor allem Hunger breit, so dass wir unser Programm für heute beendeten und zurück zum Hotel fuhren.

Tag 2 – Entlang der Ostküste

Am zweiten Tag unseres Roadtrips führte uns der Weg zunächst durch die Ortschafen Petra, Campos und Santanyi an die Südostküste der Insel. Unseren ersten Stopp wollten wir an dem Postkartenmotiv der Bucht Cala Llombards einlegen. Wir parkten etwas außerhalb des Ortes und nahmen einen etwas längeren Anmarsch in Kauf. An der Bucht angekommen stellte sich unsere Parkstrategie als genau richtig heraus, denn der Parkplatz direkt an der Bucht war brechend voll. Am Sandstrand lagen die Besucher wie Heringe in einer Konserve und boten für uns ein eher abschreckendes Bild. Wir fanden jedoch an der Südflanke der Bucht ein weniger überfülltes Plätzchen auf einem Fels. An dieser Stelle badeten auch nicht so viele Menschen, so dass wir die Einladung des in allen Blautönen schimmernden Wassers gerne annahmen und uns darin erfrischten. Dass es in der Bucht einen neuen virtuellen Cache gibt, bemerkte ich erst abends im Hotel, aber wir haben ja auch ohne diesen zur Cala Llombards gefunden.

Nachdem wir ausgiebig gebadet hatten, packten wir unsere Sachen und setzten unsere Fahrt fort. Das nächste Ziel war das Städtchen Calonge, da dort an diesem Tag ein Markt sein sollte. Leider kamen wir dafür zu spät, außer einem großen Zelt war auf dem Marktplatz nichts mehr sehen. Die Stände waren bereits abgebaut. Wir fuhren weiter an der Ostküste entlang und wollten mit der Cala Varques die nächste malerische Bucht besuchen. Um dorthin zu gelangen, wäre ein knapp zwei Kilometer langer Fußmarsch nötig gewesen. Dieser schreckte uns nicht ab, wohl aber der komplett überfüllte Parkplatz an der Ma-4014. Auf einen weiteren überquellenden Strand hatten wir keine Lust. Auch ein kurzer Abstecher in den kleinen Badeort Cala Anguila, lud uns nicht zu einem Besuch ein. Dieser schien uns ebenfalls zu touristisch zu sein.

Hatten wir an unserem ersten Urlaubstag mit der Coll Baix schon eine sehr schöne Bade- und Schnorchelstelle gefunden, schien es an der Ostküste schwierig zu sein, eine relativ einsame Bucht zu entdecken. Einen letzten Pfeil hatten wir noch im Köcher – die ganz im Nordosten gelegene Bucht Cala Torta. Auf dem Weg dorthin kamen wir u.a. an Porto Cristo vorbei. Die Stadt ist in erster Linie wegen der berühmten Drachenhöhlen (Coves del Drac) bekannt. Gewiss sind diese Höhlen geologisch sehr beeindruckend, wenn wir aber schon auf dem Parkplatz ganze Batterien von Bussen sehen, die hunderte von Touristen dorthin karren, nehmen wir davon lieber Abstand. Glücklicherweise gibt es auf Mallorca auch (noch) tolle Höhlen, die nicht kommerzialisiert und dem Massentourismus ausgesetzt sind.

Der Weg zur Cala Torta führte uns durch die Stadt Artà, der wir nach der Bucht auch noch einen Besuch abstatten wollten. Die Straße hinter Artà war zwar recht schmal, aber sehr gut befahrbar. Aufgrund der eingeschränkten Übersicht war es kaum möglich schneller als 70 km/h zu fahren, was für unser Cabrio jedoch eine ideale Geschwindigkeit war. Also wurde das Dach herunter gefahren und gemütlich in Richtung Küste gecruist. Auf dem letzten Kilometer war der Weg etwas abenteuerlich, aber mit ein wenig Slalomfahren kamen wir um die größten Schlaglöcher (manche glichen eher einem Canyon) herum. Am Strand angekommen stellten wir erleichtert fest, dass die Bucht nur mäßig besucht war. Für ein kleines Lager war reichlich Platz. Es gab zwar eine Bude, in der Snacks und Getränke verkauft wurden, da diese an der Preistafel jedoch ausschließlich in spanisch angeschlagen waren, nehmen wir an, dass die Cala Torta vorwiegend von Einheimischen besucht wird und damit so etwas wie ein bekannter Geheimtipp ist.
Baden konnten wir hier leider nicht. Ein kräftiger Wind aus Nordwest spülte riesige Wellen an die Küste und die Badeaufsicht, die offensichtlich auch in der Verkaufsbude ansässig ist, hatte die rote Flagge gehisst. Damit blieb uns allerdings die Gelegenheit reichlich schöne Fotos zu machen, und uns mit einem Earthcache zu beschäftigen.

Es war bereits früher Abend, als wir unser Auto auf einem zentral gelegenen Parkplatz in Artà abstellten. Wir hatten noch eine knappe Stunde Zeit, bevor wir zurück fahren und unseren Mietwagen abgeben mussten. Was mir an Artà sehr gut gefiel war, dass sich dort nur sehr wenige Touristen aufhielten. Abseits der Hauptgeschäftsstraße war die Stadt an diesem Abend quasi menschenleer. Somit hatten die zweifellos vorhandenen schönen Ecken unsere volle Aufmerksamkeit. Die Kirche Sant Sebastian und die Festung aus arabischer Zeit, die über dem Stadtzentrum thronen, die vielen gehweglosen Straßen und Plätze leuchteten in der Abendsonne. In der Fußgängerzone warteten neben den Verkaufsläden gemütlich wirkende Restaurants und Bars auf Kundschaft. Auf dem Rückweg zum Auto fiel mir auf, dass die Schilder mit den Straßennamen aus Kacheln gefertigt wurden und jedes Einzelne ein kleines Kunstwerk ist. Unser Kurzbesuch von Artà hatte sich auf jeden Fall gelohnt und bildete einen gelungenen Abschluss unseres 2-tägigen Roadtrips.

 

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