Stadt Braunschweig will Geocaching verbieten

Im Frühjahr diesen Jahres bekam ich über diverse Blogs und Podcasts mit, dass in Weinstadt (Baden-Württemberg) für bestimmte Gebiete ein Geocachingverbot  ausgesprochen wurde. Ich verfolgte den Konflikt damals mit Interesse, wähnte Baden-Württemberg jedoch weit weg, und genau so weit weg schienen mir ähnliche Einschnitte in meiner Region zu sein. Wie sehr man sich doch täuschen kann!

Die Stadt Braunschweig hat jüngst den Entwurf einer Verordnung über ein neues Naturschutzgebiet veröffentlicht, in dem das Geocaching vollständig untersagt werden soll. Durch eine Umwidmung der betreffenden Wald- und Kleingewässerflächen, sollen diese dem ökologischen Netz Natura 2000* zugewiesen werden. Der entsprechende Gesetzestext ist kurz aber unmissverständlich.

§ 3 Verbote

[…] das Aufsuchen und Verstecken von Geocaches […]

Quelle: Verordnung über das Naturschutzgebiet „Mascheroder- und Rautheimer Holz“ in der Stadt Braunschweig (NSG BR 153)

Den geplanten Erlass begründet die Behörde wie folgt:

§ 3 Abs. 1 Nr. 15
Durch das Wegegebot ist bereits das Ablegen und Aufsuchen von Caches außerhalb von Wegen verboten. Dies wird auch durch die Ausführungsbestimmungen zum Niedersächsischen Waldgesetz begründet, da Geocaching bezüglich des Betretungsrechtes als unzumutbar gewertet wird. Befinden sich dennoch Caches im Schutzgebiet, kann nicht ausgeschlossen werden, dass beim Aufsuchen gegen das Wegegebot verstoßen wird. Daher wird für die gesamte Fläche des Naturschutzgebietes das Geocaching vollständig untersagt, um eine Beeinträchtigung der Schutzgüter zu vermeiden.

Quelle: Begründung zur Neufestsetzung der Verordnung über das Naturschutzgebiet „Mascheroder- und Rautheimer Holz“

Dieses Vorgehen ist selbstverständlich vom Grundsatz her zu begrüßen. Ich denke nicht nur für mich steht außer Frage, dass geeignete Gebiete und deren natürlicher Lebensraum  für wildlebende Tiere und Pflanzen zu schützen und zu erhalten sind. Selbst wenn, wie in diesem Fall in Braunschweig ein generelles Verbot für das Spiel Geocaching in einem künftigen Naturschutzgebiet geplant ist, habe ich dafür Verständnis. Außerdem verbleiben mehr als genug Wald- und Flurflächen für unser Hobby.

Und doch hat dieser Vorstoß der Stadt Braunschweig einen faden Beigeschmack für uns Geocacher, denn diese Verordnung könnte durchaus eine Signalwirkung haben. Andere Städte und Gemeinden könnten auf den Zug aufspringen und entsprechende Verbote auch für weitere Flächen aussprechen.

Diese und ähnliche Befürchtungen hegen auch einige ortsansässige Geocacher, welche den Entwurf der Verordnung der Stadt Braunschweig zum Anlass genommen haben, eine „Interessengemeinschaft pro Geocaching in den Wäldern Braunschweigs“ zu gründen.

Verbote von offizieller Seite möchte kein Cacher in seiner Homezone. Aber liebe Leserinnen und Leser, müssen wir uns wundern, wenn das Suchen und Verstecken von Geocaches untersagt wird, wenn sich „Voll-Honks“ mit Freischneidern einen Weg durch Schilf bahnen, um an eine Dose zu kommen? Wenn Verbotsschilder an Wald- und Feldwegen mit Pkw und tonnenschweren Fahrzeugen überfahren werden? Wenn die Einstellung „ich-pimp-mir-meine-alberne-Statistik“ immer mehr in den Vordergrund rückt und damit immer mehr sinnlose Powertrails auf der Karte erscheinen?

Was das geplante Verbot in Braunschweig angeht, bleibt abzuwarten, wie die Zukunft für bestehende und neue Caches im östlichen Niedersachsen aussieht. Nicht nur die regionalen Geocacher dürfen bzgl. der weiteren Entwicklung gespannt sein.

* Natura 2000  ist ein zusammenhängendes ökologisches Netz von Schutzgebieten in Europa, das dem Schutz und der Erhaltung von natürlichen und naturnahen Lebensräumen sowie gefährdeten wildlebenden Tier- und Pflanzenarten dient

3 thoughts on “Stadt Braunschweig will Geocaching verbieten

  1. Mhmmm…. wenn ich mir mal die Karte von dem Mascheroder- und Rautheimer Holz betrachte, sehe ich nur ein kleines Gebiet welches in dem Entwurf über eine Verordnung zur Sicherstellung eines NSG zu Grunde liegt. Dort befinden sich zur Zeit nur eine Handvoll Caches.

    Jetzt kann man natürlich erschrocken sein, daß in neuen Verordnungen explizit ein Verbot des Geocachings erhoben wird. Das nun vermutet wird, weitere Verbote in dieser Richtung könnten in vielen Gemeinden Schule machen, ist auch nicht unbegründet. Und?
    Ganz klar, auch die GC-Richtlinien sagen es: in Naturschutzgebieten haben Caches nichts verloren. Und wenn in Zukunft irgendein Waldstückchen zum NSG erlassen wird, begrüße ich das natürlich.
    Natürlich hat die Stadt Braunschweig nicht vor Geocaching zu verbieten (finde daher die Überschrift etwas Polemisch), sondern nur in den schützenswerten Gebieten ein Verbot in einem Vorschlag erwähnt. Auch ok so. Damit da in Zukunft auch keine Missverständnisse auftreten. Die ins Leben gerufene Interessengemeinschaft pro Geocaching möchte das so nicht akzeptieren- ihr gutes Recht, aber sinn- und aussichtslos.
    Auch in Zukunft werden neue NSGs entstehen, vollkommen richtig. Dadurch wird unser Spielfeld enger. Da muss man dann wohl mal ein wenig ausmisten, um das Spielbrett wieder bespielbarer zu machen.

  2. Wenn wir nach dem aufkommen der ersten Kritik bzw. Probleme unsere Caches nur noch naturverträglich und nichtstörend versteckt hätten, wäre uns so manches und wahrscheinlich auch dieses Verbot erspart geblieben.
    Warum reicht es nicht, wenn die Dose im Wald oder NSG direkt am Weg und mit einem Griff zu finden versteckt ist? Warum gibt es keine Hinweise im Listing, die jede Art von Suchspuren, vor allem, wenn die Dose weg ist, verhindern?
    Für schwierig zu findende Caches gibt es genug Orte, an denen nichts beschädigt wird und niemand gestört wird.

    Aber auch dieses Verbot wird zu keiner Verhaltensänderung führen. Das wird solange weitergehen, bis Geocaching überall verboten oder eingeschränkt wird.

    Die einzigen, die sich freuen, sind die Heimatzonenfreihaltestatisten denn die haben es jetzt in BS sehr einfach.

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