CITO – von Umweltbewusstsein und weiteren Werten

Schon weit vor dem offiziellen CITO-Wochenende fand in der Nähe von Gifhorn bereits Anfang März eine Landschaftssäuberung statt. Dem Aufruf des Landkreises zu Müllsammelaktionen folgte u.a. auch ein Geocacher und organisierte für Gleichgesinnte ein entsprechendes Event. Meiner Vermutung* nach sind CITOs generell immer recht gut besucht, was wohl daran liegt, dass es dafür ein relativ seltenes Icon zu verdienen gibt. Dieser CITO lockte jedoch auch noch mit einer T5-Wertung, so dass nicht nur lokale Geocacher von dem Event angezogen wurden wie schillernde Brummer von einem frischen Kuhfladen. Darüber hinaus wurden zusätzlich noch fünf neue Traditionelle veröffentlicht. Über den Sinn dieser Caches mag man geteilter Meinung sein, aber der Owner (welcher auch Owner des CITO war) hat es sicherlich gut gemeint, denn noch viel lieber als Müll sammeln viele Geocacher Punkte für die Statistik.

Zum CITO selbst kann man sagen, dass dieser außerordentlich gut organisiert war. Es gab in jeder Haupthimmelsrichtung je eine Sackaufnahmestation, von denen aus sternförmig auf den zentral gelegenen Müllcontainer gesammelt wurde. Ergänzt wurde das Ganze durch einen Sondereinsatz in einer nahgelegenen Ortschaft. Am Ort des Geschehens konnte jeder beteiligte Müllsammler erkennen, wie viel Arbeit der Owner sich gemacht hat. So kamen nach einer ersten Schätzung der Organisatoren rund 200 kg Müll zusammen, was auf jeden Fall als voller Erfolg bewertet werden kann. Am Ende des Tages waren dann auch beinahe alle zufrieden, aber nur beinahe.

Die Einschränkung der Gemütslage rief ausgerechnet einer der fünf neuen Tradis hervor, der als Baumklettercache mit der Geländewertung „5“ umgesetzt wurde. Wie mit solch einem Cache an solch einem Tag umgegangen wird, kann man sich wohl an fünf Fingern abzählen. Da gibt es Rudelkletterei, eine große Zuschauermenge und viele Cacher, die den Tradi loggen, ohne dass sie zumindest den Versuch unternehmen an die Dose zu kommen, oder den anwesenden Kletterern wenigstens helfend zur Hand gehen. Rudelklettern kann man mögen oder auch nicht, etwas Verwerfliches kann ich darin nicht erkennen. Einen T5er zu loggen, bei dem man lediglich von unten die Dose gesehen hat, finde ich allerdings nicht in Ordnung. Und weil neben mir noch einige andere Kletterer im Online-Logbuch und auch vor Ort auf diesen Umstand hingewiesen haben, kam teilweise ein wenig Unmut auf.

Ich möchte meine Einstellung nochmal klar zum Ausdruck bringen. Abgesehen von Ausnahmefällen klettere ich wegen Sicherheitsaspekten im Team. Dabei muss auch nicht jeder jedes Mal zur Dose kraxeln. Mal ist Anton die Bodenstation, mal ist es Berta. Ein anderes Mal klettern wir auch alle, aber die Bodenstation hat bei uns wichtige Aufgaben und wird ihres Namens auch gerecht.

Liebe Leser, was meint Ihr? Denke ich da zu kleinkariert? Muss man eher die Einstellung haben, dass es ein Spiel ist und dass doch alle CITO-Teilnehmer diesen Klettercache loggen dürfen, egal ob sie nun im Logbuch stehen oder nicht, egal ob sie versucht haben zu klettern oder nicht, egal ob sie beim Einbauen geholfen haben oder nicht, nur wegen des Argumentes der Anwesenheit „einer so geilen Gruppe die vor Ort war“ (Zitat aus einem Onlinelog)?

Wenn ein Geocacher, der eine T5-Dose auf einem einsamen Waldspaziergang entdeckt und diese als Fund logt, obwohl er sie nur von unten gesehen hat, würde sich (fast) jeder aufregen. Was legitimiert dann eine 50 Personen starke Gruppe dazu? Wo liegt da der Unterschied zum einsamen Spaziergänger? Warum hat sich der Owner bzw. sein Helferteam die Mühe gemacht und die Dose oben im Baum platziert und nicht gleich unten im Wurzelwerk? Warum gibt es überhaupt die T5-Wertung, wenn diese nicht respektiert wird? Hätten sich nicht alle Nichtkletterer mit dem Pseudo-T5** des Events zufrieden geben können?

Fragen über Fragen, habt Ihr Antworten oder Kommentare darauf?

Das vorläufige Ende vom Lied war dann, dass einer der anwesenden Cacher am nächsten Tag noch an die Dose gelangte und neben seinem Nick noch den Eintrag „Team CITO“ vornahm. Durch diese sehr schöne und sehr noble Geste, ist nun zumindest sichergestellt, dass alle Teilnehmer eine offizielle Logerlaubnis haben. Diese ersetzt allerdings keine Begriffe wie Anstand, Respekt und meinetwegen auch Ehre, aber diese haben im Geocaching 2017, wo Herangehensweisen wie „möglichst viel auf einmal“, „möglichst schnell“, „viele Sterne damit es sich richtig lohnt“, „ein 100-Dosen-Bötchen-Pornotrail -lechz-“ usw. Hochkonjunktur haben, schon lange keinen Platz mehr.

* ich habe bisher noch an keinem CITO teilgenommen

** der Owner mag mir den Ausdruck verzeihen, aber wenn man ehrlich ist war es nichts anderes

7 thoughts on “CITO – von Umweltbewusstsein und weiteren Werten

  1. Auch ich finde den Artikel sehr interessant und gut geschrieben. Meine Meinung zu diesem Thema mag vielen zu tolerant sein, denn ich finde, dass jeder es so halten soll wie er will ! Jeder spielt nämlich im Grunde sein eigenes Spiel und bescheißt sich nur selbst. Ich habe schon lange aufgehört andere wegen ihrem „Cacheverhalten“zu beobachten oder zu verurteilen (auch wenn ich manche Geschichten sehr amüsant finde). Leider ist es jedoch so, dass durch die Diskussion immer wieder Unruhe in der Cachergemeinde auftritt. Ich stelle mir bei vermeintlichen Fehlverhalten als erstes immer die Frage, ob jemand zu Schaden gekommen ist.
    Und ist jemand zu Schaden gekommen, weil das „Bodenpersonal“ mitloggt hat ?
    Ich denke nicht !
    Ich plädiere deshalb für mehr Toleranz, denn eigentlich wollen wir doch alle das Gleiche bei unserem Hobby —- Spaß haben !
    Wir hatten übrigens weder Spaß am Rudelklettern noch am Mitloggen. Deshalb liegt für uns dort immer noch ein Döschen für einen späteren Zeitpunkt 🙂
    Ich möchte mit einem schönen Leitspruch meiner Oma abschließen (eigentlich für Ehepartner gedacht aber auch im normalen Leben anwendbar):
    “ Ganz wie du willst Liebling – nur FRIEDE !“

  2. Auch uns spricht dieser Beitrag aus der Seele.
    Und wenn mann/frau schon den T5 Punkt abstaubt, dann kann man das ja auch in seinem Log erwähnen.
    Aber nein, dazu sind die (ich nehme mal einen Begriff aus dem Ursprungstext auf) Punktegeier zu feige.
    Das Ganze hat sich ja dann an anderer Stelle am selben Tag weiter fortgeführt.
    Und da hat bis jetzt nur einer der „Abstauber“ ehrlich geloggt.
    Wir denken das einigen der Bonus verwehrt geblieben wäre.
    Aber wie gesagt, das ist nur unsere Meinung.
    Möge jeder selbst entscheiden…………..

    Bis bald im Wald
    Team Lollipopformel1

    1. Es geht ja aber nicht um ein Event das geloggt wurde (das wäre hier wenn ja der Cito gewesen, darüber regt sich ja niemand auf. Das hat der MaikK wirklich toll organisiert, und T5 Events gibt es ja regelmäßig mal).
      Hier geht es um einen Tradi den alle fleißig nur fürs *daneben* rum stehen geloggt haben. Das ist ja einfach eine völlig andere Hausnummer. 😉
      Zumal wir (oder besser der liebe Kyllian) JEDEM sein Equipment zur Verfügen gestellt hätte der es einfach mal probieren möchte.

      1. Habe ich auch so verstanden.
        Letztendlich war das Event trotzdem, oder aber auch, von der T-Wertung falsch deklariert, wenn dort nur Vereinzelte auf den Bäumen waren und das konnten, um diese zu reinigen.

        Aber wie schon erwähnt ging es ja hauptsächlich um den Tradi, dessen Punkt ja wieder so fast alle schnorren mussten. Armselig…

  3. Da ich gerade einen Link zu diesem Blog bekam, muss ich einfach mal anmerken, dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Sehr treffend geschrieben und, was die Sache angeht, auf den Punkt gebracht.

    Nur was bringt es – leider tun die wenigsten ihren Unmut kund – denn es bringt ja eh nichts. Und somit wird diesen Punktegeiern leider Tür und Tor geöffnet. „Damals“ wäre so ein T5 auf Sicht Log nicht nur gelöscht worden, sondern denjenigen hätte man aus den Reihen der Gemeinschaft geteert und gefedert.

    Auf dass sich das ehrliche Log einmal mehr durchsetzt und es den Punktegeiern irgendwann das Hobbie vermiesen mag…

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