Geocaching ist tot

Ich hatte überlegt, ob ich auch einen Artikel über die Eskapaden des neuerlichen Bötchen Pornotrails auf dem Nordgeorgsfehnkanal beitragen soll. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich nun aber dagegen entschieden. Die Frage „wie blöd kann man sein?“ drängt sich nach der kürzlichen Archivierung einer ähnlichen, nicht naturverträglichen Serie auf dem Neckar zwar auf und würde reichlich Nährboden für einen Artikel liefern, aber ich sehe für mich nicht den Bedarf mich darüber auszulassen. Interessenten finden z. B. hier einen Beitrag dazu.

Die Vorkommnisse um diesen weiteren dämlichen Wasserstraßen-Trail zeigen aber einmal mehr, wie tief das Niveau beim Geocaching gesunken ist. Geocaching ist (noch) nicht tot, aber in meinen Augen kann man das Spiel mit einem Patienten auf der Intensivstation vergleichen, der nur noch durch Souvenirs und Statistikpimperei medizinische Geräte künstlich am Leben gehalten wird. Dem Großteil der Spieler geht es seit Langem nicht mehr um Locations und Naturerlebnisse, sondern vorwiegend um das aufwandsarme Einsammeln von Gummipunkten im hohen D- und T-Bereich. Um dieser Statistikpimperei zu fröhnen, wird die GC-Landkarte mehr und mehr mit Biltema, hirnlosen Challenges, Jigidis und sonstigem Schwachsinn überschwemmt. Schwere und kreative Rätsel müssen nun weder gelöst noch die Lösungen in Facebookgruppen abgestaubt werden. Klettern ist auch viel zu zeitaufwändig. In einem Bötchen lassen sich in gleicher Zeit viel mehr T5er ergattern und einen Äppelkahn kann auch der unsportlichste „Geocacher“ bewegen. Natürlich kann man Jigidi, Challenge und Biltema auch prima kombinieren. Da sind der „Kreativität“ keine Grenzen gesetzt. Mit Geocaching im eigentlichen Sinne hat das aber nichts mehr zu tun. Groundspeak hält auf seiner Plattform irgendetwas am Laufen, jedoch kein Geocaching.

Hirntot ist vielleicht ein treffendes Adjektiv für das Hobby. Das trifft sowohl für das Spiel selbst, als auch für einige Spieler zu. Große Lust nur wegen des Cachens selbst rauszugehen, habe ich nicht mehr. Schreiben werde ich allerdings weiterhin, hauptsächlich über Reisen und Outdooraktivitäten. Vielleicht suche ich dabei sogar doch nochmal den einen oder anderen Cache auf. Ein paar wenige Rosinen gibt es ja noch immer. Ansonsten ziehe ich im Hinblick auf meine Geocachingaktivität einen Vergleich zu Waldemar Hartmann und dem Vorspann zu seinem „Waldis EM-Club“. Darin spielt er einen Klugscheißer, der einige Freizeitfußballer bei deren Spiel kritisiert. „Spuilst du aach, oder reds’t du bloß?“, fragt ihn einer der Protagonisten. Worauf Herr Hartmann entgegnet: „Na, I red bloß drüber“

 

2 thoughts on “Geocaching ist tot

  1. Also für meine Gegend kann ich das nicht bestätigen. Es gibt zwar auch Statistik-Runden (allerdings keine Powertrails, das meiste so im Bereich von 8-20 Caches, und noch relativ individuell versteckt) aber eben auch immer wieder neue interessante Multis, Hardwarebastelein und eine aktive Cacherszene. Und wenn ich mir die alten Caches anschaue, stimmt das „früher war alles besser“ auch nur sehr bedingt.

  2. Beim Lesen der Überschrift dachte ich spontan „Wohl eher im Koma“ – wie Du es dann auch geschrieben hast. Ich möchte ja lieber glauben, dass es sich eher um einen Dornröschenschlaf handelt: Irgendwann wird es den Leuten zu dumm werden, immer wieder und wieder dieselben Rätselcaches oder Halbstundenevents zu loggen. In ein paar Jahren werden die Caches von 2012/2013 ins Archiv wandern und die Zahl aktiver Caches wird sinken, dann kommt hoffentlich die Renaissance.

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